Lebenslauf:
Wenzel wurde als Sohn eines Maschinenkommissars der k. k. Staatsbahndirektion Linz geboren, der 1907 in das k. k. Eisenbahnministerium nach Wien versetzt worden ist. Er besuchte das Gymnasium in Wien-Landstraße (Kundmanngasse), wo er bereits Ende 1919 der gerade gegründeten katholischen Pennalie Frankonia beigetreten ist. 1922 war er Mitbegründer von deren Tochterverbindung Vandalia. Nach seiner Matura im Jahr 1923 begann er das Studium an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien (Dr. iur. 1928) und trat der Marco-Danubia bei.
Nach dem Gerichtsjahr trat Wenzel mit 31. Mai 1929 in den Dienst der Post- und Telegraphenverwaltung. 1934 wurde er in das Bundesministerium für Handel und Verkehr berufen, das auch für die Post zuständig war. Dort war er in jener Abteilung tätig, die für die Postbeförderung, die Errichtung und Auflassung von Postämtern und Postablagen, den Landbriefträgerdienst sowie die rechtlichen Angelegenheiten des Kraftfahrwesens zuständig war. Zu dieser Zeit war Otto Krammer (Baj), der Gründungssenior der Frankonia, in jenem Referat der Personalsektion des Bundeskanzleramtes tätig, das für die Post zuständig war.
Nach dem Anschluß im März 1938 blieb Wenzel vorerst unbehelligt, wurde aber jedoch Ende März 1939 mit Dreiviertel des Ruhegenusses pensioniert. Nach einem Jahr wurde er wieder in Dienst gestellt und mit 1. Juli 1940 der Reichspostdirektion Dresden zugeteilt. Er trat aber diesen Posten dort nicht an, weil er zwischenzeitlich zur Deutschen Wehrmacht einberufen wurde.
Nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft trat Wenzel mit 1. Juli 1945 wieder seinen Dienst bei der Post an, war zuerst in Linz eingesetzt und wurde Ende 1946 in die Generaldirektion für die Post- und Telegraphenverwaltung nach Wien berufen. Nachdem er dort mit 1. Mai 1947 die Leitung der Abteilung für die rechtlichen Angelegenheiten des Fernmeldewesens übernommen hatte, wurde er mit 1. Juli 1949 zum Ministerialrat ernannt.
1951 wurde Wenzel zum Generaldirektor bzw. Vorstandsvorsitzenden der Radio Austria AG
bestellt. Diese wurde Mitte der zwanziger Jahre für den drahtlosen Telegramm- und Fernschreibverkehr gegründet und agierte zusätzlich zur Post, die diese Dienste nur per Kabel abwickelte. Nach den Wirren des Kriegsendes wurde diese Einrichtung wieder in Betrieb genommen, jedoch befanden sich die Aktien fast gänzlich in ausländischem Besitz. Wenzel hatte maßgeblichen Anteil daran, daß diese wieder in österreichische Hände gekommen sind und daß die Radio Austria AG ihre für die österreichische Wirtschaft wichtigen Kommunikationsaufgaben wieder voll erfüllen konnte. 1970 ging er in dieser Funktion in den Ruhestand und erhielt den Titel eines Kommerzialrates.
Wenzel begann seit den zwanziger Jahren mit dem Sammeln von Münzen und baute eine der bedeutendsten privaten Münzsammlungen Österreichs auf. Von 1959 bis zu seinem Tod war er Präsident der Österreichischen Numismatischen Gesellschaft. Darüber hinaus interessierte er sich für die Ostkirchen und betrieb diesbezügliche Studien. Nach längeren Aufenthalten auf dem Berg Athos wurde er 1974 zum Diakon der Griechisch-Katholischen bzw. Ukrainisch-Katholischen Kirche geweiht und wirkte als solcher an der Griechisch- bzw. Ukrainisch-Katholischen Kirche (St. Barbara) in Wien. Die bei kuenker.de aufgestellte Behauptung, er sei Diakon der Griechisch-Orthodoxen Kirche gewesen, stimmt nicht. Das hätte einen Austritt aus der Katholischen Kirche vorausgesetzt, der einen Ausschluß aus dem ÖCV zur Folge gehabt hätte. Wenzel befand sich aber bis zuletzt (1983) in den Gesamtverzeichnissen des ÖCV. Er wurde auf dem Friedhof Wien-Döbling begraben (I3/1A/6).
Quellen und Literatur:
Aktenbestand der Ehrenzeichenkanzlei der Österreichischen Präsidentschaftskanzlei (Kabinettsdirektor i. R. Heinz Hafner Am, Mitteilung 26. 4. 2026).https://www.kuenker.de/blog/wissenwertes/sammlerportraits/kommerzialrat-dr.-herbert-wenzel/ (Abruf 3. 5. 2026).
Mitteilung Herbert Maier, Philistersenior der Marco-Danubia, 9. 5. 2026.