Vaterland (Patria)

Das Prinzip der Vaterlandsliebe ist erst spät – 1907 bzw. 1909 – in die Satzungen des Cartellverbandes aufgenommen worden. In der Zeit der Napoleonischen Kriege entstand ein stark beeinflusstes deutsches Nationalbewusstsein. Die damaligen Verbindungen, vor allem die Burschenschaften, waren besonders in diese Bewegung involviert. Im Vaterlandsgedanken war damals auch ein gewisser Zwiespalt enthalten: Galt die Treue dem konkreten Vaterland und dessen Fürsten (Österreich, Preußen, Bayern, Württemberg, Sachsen usw.) oder dem deutschen Volk als Kultur- und Sprachgemeinschaft, das möglichst bald in einem Staat vereint werden sollte?

Eine besondere Bedeutung erhielt das Prinzip der Vaterlandsliebe in Österreich durch das seit den Dreißigerjahren aufkommende spezifische Österreichbewusstsein, das dann im ÖCV zu einer zentralen Konstante wurde und sich gegen den aufkeimenden Nationalsozialismus richtete.

Es ist Tatsache, dass durch diese damalige Betonung des Österreichischen auf jeden Fall der Grundstein für ein geändertes Verhalten der Österreicher zu sich selbst (Österreichische Nation) sowie zur Eigenstaatlichkeit (Verschwinden des Anschluss-Gedankens) gelegt wurde, was sich dann nach 1945 zu entfalten begann.

Der ÖCV bekennt sich zur souveränen, demokratischen Republik Österreich und ihrer aus der Geschichte und Lage gewachsenen besonderen Aufgaben. Die Verbindungen des ÖCV wollen ihre Mitglieder zu verantwortungsbewussten und weltoffenen Staatsbürgern erziehen, und verlangen von ihnen eine auf soziale Verantwortung gegründete Liebe zu ihrem Vaterland in völkerverbindender Gesinnung.